SEEKAJAK
SEEKAJAK 128

Inhaltsverzeichnis

Vorstand   

Vorwort

4

Neue Finanzordnung vom 12.11.2011

5

Protokoll der MV vom 12.11.2011

7

Sicherheit

Risiko

11

Ausbildung

A-Kurs auf Spiekeroog

14

RST Bodensee

18

Ausrüstung

Test Tiderace Extreme & Valley Etain

20

Literatur

Sea Kayaker Juni 2011   

22

Sea Kayaker August 2011

23

Reise/Tour

Cres im Mai 2011 (Fortsetzung)

24

Schärentraum 2011

28

Wunderschönes Sommerende

34

Schnupperfahrt Schiermonnikoog

37

Krautsandrunde

40

5 Tage Ostfriesland

42

Nordfriesland-Tour

43

Nationalpark

Nomen est omen

41

Impressum

44

Veranstaltungen

E-Mail Verteiler für kurzfristige Fahrtenangebote      

46

Ausschreibungen

47

Veranstaltungskalender (Kurzform)

53

Schnupperfahrt Schiermonnikoog am 10. und 11. Sept. 2011

Text & Bilder: Frank

Am 10. September 2011 trafen in Lauwersoog in Holland 11 Paddler zusammen, um eine Schnupperfahrt nach Schiermonnikoog (die Holländer nennen sie liebevoll Schier) zu machen. Schiermonnikoog ist die östlichste der holländischen Inseln (Waddeneilanden). Sie hat ihren Namen den Zisterziensermönchen zu verdanken, die erstmals um 1440 urkundlich belegt die Insel besiedelt haben. Diese Mönche trugen graue Kutten. Im Friesischen heißt grau schier. Schier monniken sind also die grauen Mönche. Demnach ist Schiermonnikoog die Insel (oog) der Grauen Mönche. 

Eingeladen hatten Anita und Wim. Trotz des bis dahin miserablen Wetters folgten der Einladung 9 SaU-Mitglieder: Andreas, Frank, Jan, Karin, Ludger, Marie-Louise, Thomas, Thorsten und Ute. Nach und nach trafen die Leute am Hafen ein, man begrüßte sich und schaute skeptisch zum sehr grauen Himmel. Aber die Wettervorhersage war gut: schön warm und bis 4 Windstärken. Optimal für eine Schnupperfahrt. 

Ein paar von den Teilnehmern waren A-Schein-ler, einige EPP3-ler, der Rest war z. T. das erste Mal auf einem Großgewässer mit Tideneinfluss. Schnell entstand ein geschäftiges Treiben. Boote wurden abgeladen, Autos wurden leer und Boote voll gemacht. Paddelkleidung wurde angezogen, Kontrolle ob alles vorhanden und dem Sau-Standard entsprechend, und schon ging es nach einer kurzen Begrüßung durch die beiden Leiter aufs Wasser. 

Der Wind wehte ablandig mit 3 Windstärken, d. h. die See war ruhig. Die Sicht war mäßig, die Temperatur angenehm. Die Damengruppe paddelte voraus, die Herren auf Sichtweite hinterher. Jeder Paddler war vorher einem Partner zugeteilt worden, mit dem zusammen man paddelte. 

Es ging entlang den grünen Tonnen parallel zum Fahrwasser bis zur Engelsmanplaat. Dies ist eine kleine Insel, eigentlich nur eine Sandbank zwischen Schier und Ameland. Die Einwohner von Schier sagen, sie hat ihren Namen nach dem Eigner Feye Willems Engelmann eines dort gestrandeten Fischkutters. Die Ameländer behaupten, dort wäre einst ein englisches Schiff (Engländer auf holländisch Engelsman) gestrandet. Die bei dem Unglück geborgenen Toten wurden dort begraben – wer weiß schon was zutrifft. Wir haben weder einen alten Fischkutter, noch ein altes englisches Schiff gesichtet.

Auf jeden Fall ist es eine wunderschöne Sandbank mitten im Wattenmeer, die bei Hochwasser noch aus dem Wasser ragt. Überall findet man wunderschöne Muscheln, aber leider waren unsere Boote schon bis obenhin voll. Auf der Engelsmanplaat wurde gerastet, gegessen, getrunken und natürlich noch mal schnell das kleine Geschäft erledigt. Wir waren nicht alleine dort. Vorm Strand lag ein Fischkutter vor Anker und einige Passagiere wurden mit einem Motorboot übergesetzt.

Frisch gestärkt ging es weiter, Kurs Ost auf die Insel Schier zu. Direkt vor der Insel mussten wir ein ganzes Stück gegen die Strömung ankämpfen. Draußen auf dem Meer merkten wir davon nicht so viel. Aber als wir nahe dem Strand paddelten, wurde uns bewusst, wie schleppend langsam wir uns am Strand entlang arbeiteten. Naja, es dauerte halt seine Zeit. Irgendwann war es geschafft – wir auch – und wir hatten die Sände, die die Südspitze von Schier bilden, umrundet. Hier machten wir noch einen kleinen Landgang, bevor wir zum Endspurt auf den Fährhafen ansetzten.

Anita war davon ausgegangen, dass wir 1 Stunde vor Niedrigwasser, das war unsere geplante Ankunftszeit, noch Wasser bis zur Steinbefestigung des Ufers vorfinden würden. Das war leider nicht der Fall. Obwohl wir nur eine halbe Stunde hinter dem Plan waren, war das Wasser weg. Wir mussten im Schlick aussteigen. Die Boote wurden bis zu den Steinen gezogen. Dann wurde es haarig und kräftezehrend. Mit jeweils 4 Leuten und 2 Tragriemen wuchteten wir die Boote, die ja das ganze Wochenendgepäck im Bauch hatten, mit unseren schlickig-glitschigen Füßen die Basaltschräge zum Parkplatz hoch. Gefühlt 15 m hoch, in Realität aber nur etwa 3m. Die hatten es aber in sich. Ich mag hier gar nicht schildern, wie wir aussahen. Die Leute, die uns oben vom Anleger aus beobachteten hatten auf jeden Fall ihren Spaß. Wir hätten einen Hut rumgehen lassen sollen…

Ein wenig wie ein Schluck Wasser in der Kurve fühlten wir uns, als endlich alle Boote auf dem Parkplatz lagen und auf Bootswagen verladen waren. Von hier aus ging es im Gänsemarsch zum kampeerboerderij de Oorsprong (Camping auf dem Bauernhof). Hier wurde gerade eine Hochzeit gefeiert und wir hielten uns - schon aufgrund unseres gepflegten Äußeren – ein wenig abseits. 

Die Wiese, auf der wir ursprünglich campen sollten stand noch leicht unter Wasser. Die Bäuerin empfahl uns, unsere Zelte auf dem Bolzplatz aufzuschlagen. Hier fanden wir wenigstens einige halbwegs trockene Stellen. Die Zeltstadt wurde also errichtet, wir duschten schön warm und dann wurde gekocht. Ein jeder holte seinen kleinen Gaskocher heraus und es dauerte nicht allzu lange, und es duftete nach den verschiedensten Gerichten. 

Nach dem Essen setzten wir uns noch kurz zu einer Lagebesprechung für den bevorstehenden Sonntag zusammen. Es wurden 2 Möglichkeiten für die Rückfahrt vorgestellt, und zur Diskussion gestellt, ob die Gruppe sich trennen sollte. Eine Gruppe sollte dann eine etwas kürzere Tour, und die andere die etwas längere Tour fahren. So sollten sowohl die Fortgeschrittenen, als auch die weniger Geübten auf ihre Kosten kommen. Es wurde beschlossen, eine Entscheidung erst nach dem Wetterbericht am Morgen zu treffen.

Anchließend ging es dann um halb acht Richtung Dorf. Hier ließen wir uns an einem großen Tisch auf der Terasse des Hotel Graaf Bernstorff nieder und bestellten uns etwas um Salzwasser- und Schlickgeschmack endgültig aus dem Mund zu verbannen. Es war ein herrlich warmer Sommerabend, und wir waren mit z. T. nur mit T-Shirt und kurzer Hose bekleidet ohne zu frieren. In gemütlicher Runde ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren, lernten uns alle ein wenig besser kennen und gaben die eine oder andere kuriose Geschichte aus unserem Paddelleben zum Besten. Irgendwann machten wir uns auf den Heimweg. Über der Küste sahen wir Gewitterblitze und so sputeten wir uns, wollten wir doch trocken in unsere Zelte gelangen. Es dauerte nicht lange, bis ein erholsamer tiefer Schlaf uns fest in seine Arme schloss und uns zu Paddelträumen einlud.

Früh am Morgen schien wieder die Sonne auf unsere Zelte. Wir rieben uns den Schlaf aus den Augen, frühstückten ausgiebig und schon waren wir wieder am Einpacken. Alles was auf der Wiese lag musste ins Boot. Komisch, war mein Boot auf der Hinfahrt größer? Egal, am Ende passte doch wieder einmal alles hinein. Anita gab noch mal kurz den gerade abgehörten Wetterbericht bekannt: Heiter, warm, maximal 5 Windstärken. Für eine Schnupperfahrt eigentlich zuviel. Aber aufgrund der Erfahrungen vom Vortag und der Tatsache, dass wir gerade gegen Wind und Wellen fahren konnten, gaben Wim und Anita den Startschuss für die Rückfahrt. Die Karavane machte sich also wieder auf zum Hafen. Da mussten wir diesmal nicht über Steile Basaltbefestigungen und Schlick. Wir waren 1,5 Stunden vor Hochwasser und wir konnten auf der Ostseite vom Veerweg in ruhigem Wasser einsteigen. 

Nach der Umrundung der Hafenanlage wurde die See ein wenig rauer und ein frischer Wind wehte uns entgegen. Die Wellen waren relativ gleichmäßig und schwankten nur ein wenig in Abhängigkeit von der leicht schwankenden Windstärke und der variierenden Wassertiefe. Alle Paddler fühlten sich wohl, auch die Erstbefahrer eines Großgewässers mit Tideneinfluss. 

Nach gefühlten 2 Stunden Paddeln gegen Wind und Wellen gab Anita das Signal zum Sammeln. Alle Paddler legten sich parallel aneinander zu einem Floß. So waren die Boote stabil und man konnte in Ruhe ein wenig Proviant verzehren und etwas trinken. Wir merkten aber auch ganz schnell, wie heftig der Wind uns zurücktrieb. Der Tidenstrom war nur noch vernachlässigbar. Also lösten wir das Floß auf und es wurde die zweite Hälfte des Weges in Angriff genommen. Es ging fast genau Richtung Süden. Der Tidenstrom versetzte uns leicht nach Osten, was uns sehr gelegen kam.

Das letzte Fahrwasser vorm Hafen wurde in breiter Reihe parallel überquert. Das klappte zwar nicht so ganz wie im Lehrbuch, aber aufgrund des fehlenden Schiffsverkehrs und der guten Sicht war das kein Problem. 

Direkt vor der Hafeneinfahrt mussten wir noch kurz abwarten um einige Segelschiffe vorbei zu lassen. Ein Traditionssegler – eine Tjalk? – rauschte unter vollen Segeln von hinten an uns vorbei in das Hafenbecken. Dort sahen wir die Segel fallen und hörten wir den Motor des Schiffes, um dieses abzubremsen. Ich glaube gekonnter und spektakulärer hätte Jack Sparrow mit der Black Pearl auch nicht einlaufen können. 

Ja und dann waren wir plötzlich da. Nacheinander legten wir an der glitschigen Steinböschung an und zogen zu zweit die Boote aus dem Wasser. Nachdem wir uns alle landfein gemacht, die Boote geleert und verladen hatten, setzten wir uns noch in der Restaurette Schierzicht, einem Fischrestaurant im Hafen, zu Fisch und Kaffee zusammen. Dann trat jeder die Heimfahrt an mit dem Gefühl, ein wunderschönes Paddelwochenende mit kompetenten Leitern und angenehmen Mitpaddlern verlebt zu haben. Unser Dank an dieser Stelle noch einmal an Anita und Wim: Alles war perfekt organiesiert und alles klappte wie am Schnürchen. Sogar gutes Wetter hattet ihr bestellt. In diesem Sommer war das nicht so einfach.